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Wenn die Lösung von dort kommt, wo wir sie nicht erwarten

Ein kleiner Konstruktionsmoment, der sehr viel darüber erzählt, wie schnell wir Fähigkeiten unterschätzen – und warum gute Zusammenarbeit mehr braucht als Zuständigkeiten und Hierarchien.

Praxisimpuls · Perspektivwechsel · Problemlösung

Symbolische Darstellung eines Kindes, das im Vordergrund an einem Konstruktionsmodell arbeitet, während Erwachsene im Hintergrund gemeinsam nach Lösungen suchen.
Symbolbild, KI-generiert mit OpenAI. Es zeigt keine reale Person und insbesondere nicht meinen Sohn.

Ein fast gelöstes Problem

Ich konstruiere gerade ein vollständig zusammenklappbares Tomatenhaus für unseren Garten. Die Grundidee stand: stabil im aufgebauten Zustand, kompakt genug zum Transport und zur Lagerung im Winter.

Die Faltmechanik war bereits weitgehend gelöst. Mit einem kleinen Modell aus Magnetbauteilen ließ sich die Konstruktion fast vollständig in das gewünschte kompakte Format bringen. Fast. Bei meiner Faltfolge blieben am Ende zwei Elemente übrig, die sich geometrisch nicht mehr sauber in das Paket integrieren ließen. Die bereits gefalteten Flächen blockierten den letzten Schritt.

Ich war nicht am Anfang des Problems. Im Gegenteil: Ich war schon sehr tief in einer grundsätzlich funktionierenden Lösung – und genau darin lag vermutlich das Hindernis. Ich versuchte, den letzten Konflikt innerhalb meiner bisherigen Logik zu lösen.

Dann kam ein anderer Blick

Mein vierjähriger Sohn sah sich das Modell an. Er sagte sinngemäss: „Mama, so geht das nicht“, nahm es in die Hand und faltete die untere Reihe in einem einfachen Muster: rechts – links – rechts. Danach die obere Reihe genauso: rechts – links – rechts. Anschliessend liessen sich beide Pakete zusammenklappen.

Problem gelöst.

Was mich daran so beeindruckt hat, war nicht nur, dass die Lösung funktionierte. Es war die Geschwindigkeit, mit der er das räumliche Muster erkannte – und dass er keinerlei Bindung an meine vorherige Lösung hatte. Er musste nichts „reparieren“. Er sah einfach eine andere Möglichkeit.

Wir unterschätzen unser Gegenüber oft zu früh

Vielleicht liegt genau darin eine der wichtigsten Lektionen für Zusammenarbeit: Kompetenz und Perspektive sind nicht dasselbe. Ein Mensch kann ein Problem hervorragend verstehen, eine komplexe Lösung entwickeln und trotzdem an einem bestimmten Punkt feststecken. Nicht aus mangelnder Fähigkeit, sondern weil mit zunehmender Beschäftigung mit einem Problem auch Annahmen entstehen, die irgendwann unsichtbar werden.

Ein anderer Mensch bringt möglicherweise weniger Erfahrung in genau diesem Themenfeld mit – aber dafür einen unverbrauchten Blick. Und manchmal genügt genau dieser Blick, um ein Muster zu erkennen, das für denjenigen, der bereits tief im Problem steckt, nicht mehr sichtbar ist.

Entscheidend ist deshalb nicht nur, wer formal zuständig ist, wer den höchsten Abschluss hat oder wer am längsten an einem Thema arbeitet. Entscheidend ist auch, ob Menschen überhaupt die Gelegenheit bekommen, etwas beizutragen.

Expertise wird dadurch nicht kleiner

Das ist kein Argument gegen Fachwissen. Ohne die vorherige Konstruktion, die Anforderungen, die Prototypen und die bereits gelösten Teile des Problems hätte es diesen entscheidenden Moment gar nicht gegeben. Eine gute Idee des einen macht die Leistung des anderen nicht kleiner – und umgekehrt.

Manchmal entwickelt der eine eine sehr gute Konstruktion. Ein anderer sieht an einem einzigen Punkt die Lösung, an dem der erste gerade im Tunnel steckt. Erst das Zusammenspiel bringt das Ergebnis hervor.

Was ich daraus mitnehme

  • Menschen nicht vorschnell danach beurteilen, bei welchem Problem sie etwas beitragen können.
  • Bei festgefahrenen Lösungen bewusst einen Blick von aussen zulassen.
  • Physische oder visuelle Prototypen schaffen, an denen andere unmittelbar denken und ausprobieren können.
  • Hierarchie, Alter und Rollenbeschreibung nicht mit situativer Problemlösungskompetenz verwechseln.
  • Eine gute Ausgangsidee und eine entscheidende Ergänzung nicht gegeneinander ausspielen.

Vielleicht unterschätzen wir unser Gegenüber manchmal nicht deshalb, weil wir seine Fähigkeiten grundsätzlich falsch einschätzen. Vielleicht entscheiden wir einfach zu früh, bei welchen Fragen dieser Mensch überhaupt etwas beitragen könnte.

In diesem Fall war der Mensch mit dem entscheidenden Blick vier Jahre alt.


Transparenzhinweis: Idee, geschildertes Erlebnis, fachliche Einordnung und inhaltliche Aussagen stammen von mir. Der Artikel wurde mit Unterstützung von OpenAI sprachlich strukturiert und redaktionell überarbeitet. Das verwendete Symbolbild wurde mit KI von OpenAI generiert und stellt keine reale Person dar.